Chronische Atemwegserkrankungen gehören zu den häufigsten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit. Viele Betroffene leiden unter Atemnot, chronischem Husten, eingeschränkter Belastbarkeit oder Erschöpfung. Diese Symptome beeinflussen nicht nur die körperliche Leistungsfähigkeit, sondern auch das seelische Wohlbefinden und den Alltag.
Die physiotherapeutische Atemtherapie kann dabei helfen, die Atmung zu erleichtern, den Sekretabtransport zu fördern und den Umgang mit Atemnot zu verbessern. So unterstützt sie Patient*innen, den Alltag besser zu bewältigen und ihre Lebensqualität zu stabilisieren.
Was sind chronische Atemwegserkrankungen?
Von einer chronischen Atemwegserkrankung spricht man, wenn die Atemwege dauerhaft entzündet, verengt oder strukturell verändert sind. Dadurch ist die Atmung langfristig erschwert, und die Sauerstoffversorgung des Körpers kann eingeschränkt sein. Typische Symptome sind Atemnot, Husten, Engegefühl in der Brust und vermehrter Auswurf.
Zu den häufigsten Erkrankungen zählen:
- COPD (Chronisch obstruktive Lungenerkrankung): Dauerhafte Verengung der Atemwege, meist infolge von Rauchen oder Luftschadstoffen.
- Asthma bronchiale: Entzündliche Erkrankung der Atemwege mit anfallsartiger Atemnot.
- Lungenemphysem: Überblähung der Lunge, die den Gasaustausch erschwert.
- Mukoviszidose (zystische Fibrose): Genetisch bedingte Erkrankung mit zähem Sekret in den Atemwegen.
- Bronchiektasen: Krankhafte Erweiterungen der Bronchien, die wiederkehrende Infekte begünstigen.
- Long COVID / Post-COVID-Syndrom: Nach einer COVID-19-Infektion können anhaltende Atembeschwerden, Kurzatmigkeit und Erschöpfung bestehen – ähnlich wie bei chronischen Atemwegserkrankungen.
Wie hilft Physiotherapie bei Atemwegserkrankungen und Long COVID?
Die Atemtherapie ist ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung chronischer Lungenerkrankungen. Sie zielt darauf ab, die Atmung zu erleichtern, die Lungenfunktion zu erhalten und die Belastbarkeit zu verbessern.
Je nach Beschwerdebild kommen unterschiedliche Methoden zum Einsatz:
Atemübungen
Gezielte Atemtechniken – etwa die Lippenbremse oder das dosierte Einatmen – unterstützen eine ökonomische Atmung. Sie helfen, die Atemmuskulatur zu entspannen, die Atmung zu vertiefen und die Sauerstoffaufnahme zu verbessern.
Sekretmobilisation
Bei Erkrankungen mit vermehrtem Schleimaufkommen werden spezielle Lagerungen, Vibrations- und Klopftechniken oder aktive Atemübungen angewendet. Sie lösen festsitzendes Sekret und erleichtern das Abhusten.
Atemerleichternde Positionen
Patient*innen lernen Körperhaltungen kennen, die das Atmen erleichtern – zum Beispiel den Kutschersitz oder die Torwartstellung. Diese Positionen helfen, Atemnot besser zu kontrollieren und Ruhe in belastenden Situationen zu finden.
Kräftigung und Ausdauertraining
Ein individuell angepasstes Training stärkt die Atemmuskulatur und fördert die allgemeine Belastbarkeit. Besonders nach längeren Krankheitsphasen oder bei Long COVID trägt Bewegung dazu bei, Schritt für Schritt zur gewohnten Aktivität zurückzufinden.
Entspannung und Körperwahrnehmung
Atemnot kann Stress und Angst auslösen – und beides verschlechtert wiederum die Atmung. Durch Entspannungstechniken wie Dehnlagerungen, Atemlenkung oder sanfte Bewegungen lernen Patient*innen, den Atemfluss positiv zu beeinflussen und in Notsituationen ruhiger zu agieren.

Ziele der Atemtherapie
- Verbesserung der Atemtechnik und Lungenfunktion
- Erleichterung des Sekretabtransports
- Reduktion von Atemnot und Erschöpfung
- Steigerung der körperlichen Belastbarkeit
- Anleitung zu Eigenübungen für den Alltag
- Förderung von Selbstständigkeit und Lebensqualität
Atemtherapie bei Long COVID
Viele Menschen leiden nach einer COVID-19-Erkrankung an anhaltender Kurzatmigkeit und eingeschränkter Leistungsfähigkeit. In der Physiotherapie werden Atemübungen mit sanftem Kraft- und Ausdauertraining kombiniert, um die Atmung zu stabilisieren und die Belastbarkeit schrittweise wieder aufzubauen. Ziel ist es, den Körper zu stärken, Überlastung zu vermeiden und das Vertrauen in die eigene Atmung zurückzugewinnen.
Fazit
Chronische Atemwegserkrankungen und Long COVID können das tägliche Leben stark beeinträchtigen. Eine physiotherapeutische Atemtherapie kann die Beschwerden zwar nicht heilen, aber sie trägt wesentlich dazu bei, besser mit ihnen umzugehen. Durch individuell angepasste Übungen und Techniken lernen Patient*innen, ihre Atmung bewusster zu steuern, Atemnot zu verringern und ihre körperliche Belastbarkeit zu verbessern. So lässt sich trotz bestehender Grunderkrankung die Lebensqualität erhalten und der Alltag aktiver sowie selbstbestimmter gestalten. Wenn Sie oder ein Angehöriger an einer chronischen Atemwegserkrankung oder an den Folgen von Long COVID leiden, sprechen Sie uns gerne an. Gemeinsam entwickeln wir ein Therapie- und Trainingsprogramm, das gezielt auf Ihre Bedürfnisse und Möglichkeiten abgestimmt ist.
FAQ zu Atemtherapie
1) Was ist Atemtherapie und wie hilft sie bei COPD, Asthma und Long COVID?
Atemtherapie umfasst gezielte Atemübungen, atemerleichternde Positionen, Sekretmobilisation sowie Kraft- und Ausdauertraining. Sie erleichtert die Atmung, verbessert den Gasaustausch und hilft, Atemnot besser zu kontrollieren.
2) Für wen ist Atemtherapie geeignet?
Für Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen wie COPD, Asthma, Emphysem, Mukoviszidose oder Bronchiektasen sowie bei Long COVID mit Kurzatmigkeit, Erschöpfung und eingeschränkter Belastbarkeit. Sie ergänzt die ärztliche Behandlung.
3) Was passiert in einer Sitzung der physiotherapeutischen Atemtherapie?
Nach einer kurzen Anamnese üben Sie individuelle Atemtechniken (z. B. Lippenbremse), atemerleichternde Positionen, Sekretlösungs-Methoden und erhalten einen Trainings- und Heimübungsplan zur alltagsnahen Umsetzung.
